Ich lebe schon lange hier. Ich habe eine philippinische Partnerin, wir haben ein Kind. Bald ziehen wir nach Deutschland — nicht für immer, aber für einige Jahre. Und ich denke nach.
Nicht über Deutschland. Das kenne ich, dort bin ich aufgewachsen. Ich denke über meine Partnerin nach.
Denn ich weiß, was sie vermissen wird.
Hier ist man niemals allein. Du brauchst Hilfe? Jemand kommt. Du bist traurig? Jemand merkt es. Immer ist jemand bereit für dich, überall. Niemand fragt, ob du Hilfe willst — sie ist einfach da. So ist es hier. So seid ihr.
In Deutschland sieht dich niemand, wenn du dich nicht zeigst. Niemand fängt dich auf, wenn du nicht sagst, dass du fällst. Nicht weil Deutsche kalt sind — sondern weil Respekt dort bedeutet: Ich mische mich nicht ein. Es wird erwartet, dass du es schaffst. Und wenn nicht, dass du es sagst.
Das System dort funktioniert. Krankenkasse, Kindergeld, Arbeitsamt — alles läuft. Prozesse, nicht Menschen. Verlässlich, fair, berechenbar. Aber still.
Viele Filipinos dort haben Arbeit, sprechen die Sprache, sind integriert. Von außen ist alles in Ordnung. Von innen fehlt etwas.
Beide Wege haben ihren Preis. Hier zahlst du mit Verpflichtung — utang na loob, keine Hilfe ist umsonst. Dort zahlst du mit Stille.
Ich schreibe das nicht, um irgendjemanden zu entmutigen. Ich schreibe das für alle, die davon träumen nach Deutschland zu gehen — oder einen deutschen Partner zu haben — und nur an die schönen Seiten denken. Es gibt schöne Seiten. Aber es gibt nicht nur die.
Warum geht mich das etwas an?
Wir gehen bald. Partnerin, Kind, ich. Stabilität, Bildung, Zukunft — das ist der Plan. Aber eines weiß ich schon jetzt: Wenn unser Kind groß ist, kommen wir zurück. Hierher.
Deutschland gibt Struktur. Die Philippinen geben Zugehörigkeit. Ich brauche beides. Aber alt werden will ich dort, wo man nicht allein ist — auch wenn man nicht darum gebeten hat.
Das beschäftigt mich. Mich interessiert, was ihr darüber denkt.