Manchmal lass ich Leute Unsinn erzählen. Einfach so. Ohne Widerspruch. Nicht weil mir Wahrheit egal geworden ist – sondern weil ich verstanden hab, wo sie hingehört.
Neulich bin ich über so einen typischen Facebook-Kalenderspruch gestolpert. Eigentlich Augenrollen-Material. Trotzdem bin ich hängen geblieben.
Es ging sinngemäß darum, sich aus Diskussionen herauszuhalten. Auch dann, wenn jemand offensichtlich Unsinn erzählt. Früher hätte mich sowas wütend gemacht. Heute? Eher ein stilles Nicken. Und gleichzeitig ein innerer Widerspruch.
Mir ist Wahrheit nicht egal geworden. Aber mein Verhältnis zu Diskussionen – das schon.
Ich hab lange geglaubt, jedes falsche Argument braucht eine Antwort. Schweigen ist Zustimmung. Man muss Dinge geraderücken. Irgendwann hab ich gemerkt, wie viel Energie dabei draufgeht. Und wie selten am Ende echte Einsicht steht. Die meisten Diskussionen sind kein gemeinsames Denken. Sie sind verkleidete Machtspiele. Und daran hab ich das Interesse verloren.
Heute unterscheide ich anders. Nicht zwischen richtig und falsch – sondern zwischen: Bringt das was? Oder erzeugt es nur Reibung? Manche Aussagen lass ich einfach stehen. Nicht weil ich sie teile. Sondern weil ich sie innerlich nicht mehr bekämpfen muss.
Das Entscheidende dabei: innere Klarheit. Schweigen funktioniert nur, wenn ich für mich weiß, wie die Dinge liegen. Sobald es Selbstverleugnung wird, kippt die Ruhe. Dann ist es Anpassung. Dann frisst es von innen. Diese Grenze spür ich ziemlich genau – und halt sie inzwischen bewusst.
Hier in den Philippinen fällt mir das besonders auf. Harmonie ist wichtig. Widerspruch wird schnell als persönlicher Angriff verstanden. Früher hätte mich das irritiert. Heute erkenn ich was darin wieder – etwas, das ich selbst schon länger lebe. Anfangs noch zögerlich, inzwischen ziemlich konsequent: die Trennung zwischen dem, was ich weiß, und dem, worauf ich reagiere.
Nicht jede Diskussion verdient meine Präsenz. Nicht jede Meinung meine Gegenwehr.
Innere Ruhe entsteht nicht, weil alles egal wird. Sondern weil man auswählt, wo man sich einmischt. Und wo man einfach ruhig bleibt.