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Das Café am Ende der Straße

Das Café am Ende der Straße

Kurzgeschichte 20. Februar 2026
Das Café am Ende der Straße

Das Café stand da, wo gestern noch nichts gewesen war. Kein Baugerüst, keine Ankündigung, kein Schild mit “Bald hier”. Es war einfach da, als hätte es schon immer existiert und die Welt hätte es nur vergessen.

Er trat ein, weil die Tür offen stand und weil es nach Kaffee roch, der Art von Kaffee, die man nicht kaufen kann, sondern die einem jemand macht, der einen kennt.

Hinter der Theke stand eine Frau, die ihn ansah, als hätte sie auf ihn gewartet. Nicht überrascht, nicht erfreut, nur bereit.

“Was darf es sein?”

“Einen Kaffee”, sagte er, weil man in einem Café Kaffee bestellt.

“Welchen?”

Er schaute an die Wand. Keine Karte, keine Preisliste, keine Kreidetafel mit kunstvollen Buchstaben. Nur eine leere Wand, cremeweiß, mit einem einzelnen Nagel, an dem nichts hing.

“Den, den Sie mir empfehlen.”

Sie nickte. Nicht weil es die richtige Antwort war, sondern weil es die einzige war.

Der Kaffee kam in einer Tasse ohne Henkel. Er brannte sich die Finger. Der Kaffee schmeckte nach etwas, das er nicht benennen konnte, aber sofort erkannte. Nach Sonntagmorgen. Nach dem Moment, bevor man die Augen aufmacht. Nach dem Gefühl, genau dort zu sein, wo man sein soll.

“Was schulde ich Ihnen?”

Die Frau hinter der Theke lächelte zum ersten Mal.

“Das wissen Sie, wenn Sie gehen.”

Er blieb. Nicht weil er musste. Sondern weil er zum ersten Mal seit Jahren nirgendwo anders sein wollte.

Als er schließlich ging, war es dunkel. Die Straße war leer. Das Café war hinter ihm, und er wusste, ohne sich umzudrehen, dass es morgen nicht mehr dort sein würde.

Er hatte nichts bezahlt. Aber er hatte etwas zurückgelassen, das er nicht benennen konnte.

Auf dem Heimweg fiel ihm auf, dass seine Schritte leichter waren. Nicht schneller, nicht langsamer. Nur leichter.

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